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Orthomolekulare Medizin - Vitamine zum Anbeißen

Vitamine zum Anbeißen

Obst und Gemüse sind nach wie vor Wunderwaffen bei der ausgewogenen Ernährung Von Stefanie Bachmann Pflanzliche Nahrung hat es in sich. Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe sowie Spurenelemente tragen zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit bei. Reichlich Obst und Gemüse kann sogar Krebs und Herzkrankheiten entgegen wirken, ergab eine Reihe neuer Studien. Dennoch sind viele Verbraucher verunsichert: Die Böden seien verarmt und überdüngt, heißt es. Obst und Gemüse sind Umweltgiften sowie Herbiziden und Pestiziden ausgesetzt. Oft liegen lange Zeiten und weite Wege zwischen der Ernte und dem Verzehr der Pflanzen, sie gedeihen in Treibhäusern oder werden vor Erreichen der Reife geerntet, was den Nährstoffgehalt mindert.

"Die Inhaltsstoffe von Obst und Gemüse, das sind Vitamine und andere Nährstoffe, haben sich im Vergleich zu früheren Zeiten nicht verändert, sind nicht geringer geworden", sagt Helmut Oberritter, Wissenschaftlicher Leiter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die DGE hatte dazu eine Studie in Auftrag gegeben, in der u. a. umfangreiche Literatur und Nährwerttabellen für vergleichende Untersuchungen herangezogen wurden. "Die Behauptung, die Böden seien verarmt, hat sich nicht bestätigt. Manche Böden, die mit Mineraldünger gedüngt werden, sind sogar gehaltvoller als andere."

Nährstoff-Unterschiede gebe es schon, allerdings eher, weil sich die Obst- und Gemüsesorten veränderten. "Bestimmte Apfelsorten wie Granny Smith sind in Mode gekommen. Diese quietsch-grüne Apfelsorte ist jedoch v. a. auf ein makelloses Äußeres gezüchtet und enthält weniger Vitamin C als die heimischen Sorten", sagt Oberritter. Design-Obst und Gemüse ist häufig nährstoffärmer als seine natürlichen Verwandten. Ein Grund dafür ist, dass Minigemüse oder skurril geformte Obst- und Gemüsesorten oft in Treibhäusern gedeihen. Neben weniger vitaminbildendem Sonnenlicht bekommen die Pflanzen dort häufig mehr für Menschen giftiges Nitrat ab als zum Beispiel Freilandgemüse.

Neben Vitamin- und Schadstoffgehalt richtet sich das Augenmerk der Experten seit einiger Zeit vor allem auf weitere pflanzliche Inhaltsstoffe, die bisher nicht bekannt waren oder deren Bedeutung für die menschliche Gesundheit unterschätzt wurde. Gemeint sind Tausende sekundärer Pflanzenstoffe, wie etwa pflanzliche Hormone, deren Bedeutung zwar zum Teil bereits in der Antike bekannt war, jedoch in Vergessenheit geriet. Mittlerweile befasste sich auch eine DGE-Studie mit den sekundären Pflanzenstoffen und bescheinigt ihnen einen positiven Einfluß auf unser Immunsystem. Entzündungen können vorgebeugt, der Cholesterin- oder Blutzuckerspiegel reguliert werden. "Die Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen deuten inzwischen darauf hin, dass sekundäre Pflanzenstoffe gesundheitsfördernde Wirkung haben und das Risiko verringern, an Zivilisationskrankheiten wie Krebs und Herzinfarkt zu erkranken", heißt es im Ernährungsreport der DGE.

Sekundäre Pflanzenstoffe tragen dazu bei, das körpereigene Immunsystem zu stärken (immunmodulatorische Wirkung, Porree und andere Zwiebelgewächse), vor Infektionen mit Pilzen, Bakterien und Viren zu schützen (antimikrobielle Wirkung), das Krebsrisiko zu senken (antikanzerogene Wirkung hat z. B. das Menthol der Pfefferminze), die Bildung freier Radikale und anderer schädlicher Moleküle zu hemmen (Antioxidationswirkung, eine Eigenschaft des Farbstoffs Beta-Carotin), den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel zu senken.

Wer von diesen positiven Effekten der Pflanzenkost profitieren möchte, dem nützt es wenig, nur hin und wieder ein Möhrchen zu knabbern. "Mindestens 35 Prozent unserer täglichen Nahrung sollten aus Gemüse, Obst und Salaten bestehen, rund 370 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst täglich", sagt Christiane Einig, Ernährungsberaterin am Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Helmut Oberritter ergänzt: "Wer viele verschiedene Obst- und Gemüsesorten isst, deckt damit auch viele Nährstoffgruppen ab."
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