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Medizinische Infos
Orthomolekulare Medizin - Linus Pauling
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Linus Pauling zum Hundertsten
Ehrenrettung für den Erfinder der "Orthomolekularen Medizin"
100 Jahre alt wollte er eigentlich werden. Die Feier seines runden Geburtstages
in diesem Jahr konnte er aber leider nicht mehr miterleben, denn der Chemiker,
Anti-Atom-Aktivist und "Vitamin-C-Apostel" Linus Pauling starb, bis heute unvergessen,
vor der Zeit aber doch hochbetagt, am 19. August 1994 auf seiner Ranch in Kalifornien.
Er hatte es wohl geahnt, dass sich sein Traum nicht erfüllen würde.
Denn wenn seine Lebenskurve vorher abbrechen sollte, so die vorsorgliche
Einschränkung des großen Forschers, dann würde dies nur damit zu tun haben,
dass er das Vitamin C und seine Bedeutung für die Vermeidung und Therapie von
Krebsleiden eben einige Jahrzehnte zu spät erst schätzen gelernt hatte.
Im Jahr 1901, also pünktlich zum Start ins neue Jahrhundert - jenem der High-Tech Forschung -
hatte Linus Pauling das Licht der Welt erblickt und erwies sich schon bald als Schüler mit
unbändigem Wissensdrang. Mit elf Jahren war er ein unerhört versierter und belesener
Insektenforscher, mit zwölf in allen Fragen der Geologie besser bewandert als seine
Lehrer. Dass er schließlich bei der Elemente-Schau im Labor landete, ging auf das Konto
der familiären Vorbelastung: Der Vater war Apotheker, ein Auswanderer aus Deutschland,
der in Portland, Oregon, seine Zelte aufgeschlagen hatte. Sohn Linus entpuppte sich auch
an der Universität als Senkrechtstarter. Schon mit Mitte 20 wurde er von der "Amerikanischen
Chemischen Gesellschaft" als hoffnungsvollster Nachwuchsforscher ausgezeichnet, und Journalisten
feierten ihn bei dieser Gelegenheit prophetisch als zukünftigen Nobelpreisträger. Der geniale
und streitbare, so gründliche wie selbstbewusste und persönlich doch eher scheue Forscher legte
dann bereits 1939 sein Standardwerk "Die chemische Bindung" vor, das man heute als einen der
"Meilensteine der modernen Naturforschung" einstuft, und heimste 1954 dann tatsächlich den
Nobelpreis für Chemie ein. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Nach Hiroshima und Nagasaki
trat er als unbedingter Pazifist und Lebensschützer leidenschaftlich für einen Stop von
Atomversuchen in der Atmosphäre ein, was ihn in wissenschaftlichen Kreisen schnell zum
Außenseiter stempelte, ihm aber auch den ehrenvollen Ruf des "Strahlengewissens der
Nation" und schließlich einen zweiten Nobelpreis einbrachte (Friedensnobelpreis 1963).
Diese zwei ungeteilten Stockholmer Ehrungen sind eine bis zum heutigen Tag einzigartige
Auszeichnung. Inzwischen weiß man, dass die damalige Praxis der Atomtests unverantwortlich,
menschenverachtend und barbarisch war, und auch jene Kollegen und Zeitgenossen, die Pauling
während seines einsamen Kampfes als Kommunisten und Verräter beschimpft hatten, mussten später
reuevoll Abbitte leisten, so etwa vseine" Fakultät, das "Californ ia Institute of Technology".
Schon nahe dem Rentenalter startete Pauling dann eine weitere Karriere, die ihm erneut internationales
Aufsehen eintrug, dem Ansehen des Gelehrten unter Kollegen aber noch nachhaltiger schadete.
Der glühende Friedensstreiter trat seinen legendären Kreuzzug fürs Vitamin C an und begründete
eine neue - bis heute allerdings zumindest in Europa "offiziell" nicht anerkannte -
Disziplin der Heilkunde: die "Orthomolekulare Medizin" (OM), bekannt auch als
"Megavitamintherapie" oder "Orthomolekulare Psychiatrie", nach der es z. B. möglich
sein soll, Schizophrenie durch Substitution vor allem von Nikotinsäure mit 90 %iger
Erfolgsrate zu heilen. Im Mittelpunkt stehen dabei die "guten, regulären, richtigen
Moleküle" und Stoffwechselbausteine.
Ein Dokument der Alternativ-Medizin
Pauling schrieb mit dem nachfolgend zitierten, inzwischen berühmten Satz aus einem Beitrag
für die Fachzeitschrift "Science" (1968) so etwas wie Medizingeschichte, und seine Sentenz
wurde zur klassischen und gleichzeitig einfachen und unprätentiösen Definition für das
neuartige Konzept:
"Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten
durch Veränderung der Konzentration von Substanzen, die normalerweise im Körper vorhanden
und für die Gesundheit verantwortlich sind".
Behandelt wird in der OM mit Mikronährstoffen, also vor allem Vitaminen, Mineralstoffen und
Spurenelementen, Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren) sowie Aminosäuren (den Eiweißbausteinen).
Hinzu kommen vitaminähnliche Stoffe wie etwa Carnitin, Coenzym Q10, Alpha-Liponsäure oder
Inositol. Neuerdings geraten verstärkt auch Sekundäre Pflanzenstoffe (Bioflavonoide u. ä.)
ins Blickfeld. Wasser auf die Mühlen von Paulings Denkansatz war in jüngerer Zeit vor allem
die Entdeckung und Erforschung der Antioxidantien als einem der wirksamsten natürlichen Mittel
gegen chronische Leiden und vorzeitiges Altern (Vitamine A, C und E, Selen). Die "Radikal-Theorie"
bewies, dass Vitaminen und anderen Spurenstoffen zusätzliche, über die Vermeidung von Mangelkrankheiten
(Skorbut, Beriberi, Rachitis, Pellagra u. ä.) hinausgehende Funktionen im Organismus zukommen. Da auch
chronische Leiden, wie Pauling meinte, aus einer Unterversorgung mit solchen feinstofflichen
Komponenten bzw. Ungleichgewichten unter denselben herrühren, sah er in der Verabreichung von
Multi-Vitaminpräparaten einen ursächlichen Behandlungsansatz, die bessere Alternative zu den
nur symptomorientierten pharmazeutischen Mitteln. Anstoß erregten und erregen allerdings bis
heute vor allem die "Megadosen" an solchen werthaltigen Stoffen. Vom Vitamin C beispielsweise
soll man die 100fache der offiziell empfohlenen Dosierung einnehmen (10 Gramm statt ca. 100 mg/Tag).
Ein bis heute heißumstrittener Meilenstein der biologischen Medizin war das aufsehenerregende
Werk "Cancer and Vitamin C" (1979), das Pauling zusammen mit dem schottischen Krebsforscher und
Chirurgen Ewan Cameron verfasste und in dem beide nach Auswertung zahlreicher Krankengeschichten
zum Schluss kamen: "Wir sind absolut überzeugt davon, dass eine zusätzliche Verabreichung von
Vitamin C in nicht allzu ferner Zukunft einen festen Platz unter den bei jeder Krebsbehandlung
zu treffenden Maßnahmen haben wird." Diese Voraussage hat sich, wenigstens teilweise, inzwischen
erfüllt. Auch andere Vitamine und Spurenelemente, so zeigte sich Linus Pauling überzeugt, entfalten
in höheren Dosierungen spezielle Schutz- und Heilwirkungen bei zahlreichen Krankheiten, von Erkältungen
bis zum Krebs. Dies resultiert vor allem aus einer dadurch erreichten Stimulierung des Immunsystems.
Entsprechenden Effekten ging er, zwischenzeitlich unterstützt von bis zu 40 Mitarbeitern, seit 1973
im "Linus Pauling Institute of Science and Medicine" (Palo Alto, Kalifornien) wissenschaftlich auf den
Grund - stets misstrauisch beäugt vom medizinischen Establishment des Landes und auch immer wieder mit
Prozessen überzogen. Die Kontroverse um die "heilenden Nährstoffe" hält bis heute an. Und Pauling ist
sowohl in der Schulmedizin (als Rotes Tuch) wie in alternativen Kreisen (als Gegenstand der Verehrung)
allgegenwärtig. Kaum ein Beitrag zu den Vitaminen, insbesondere der Ascorbinsäure, in dem nicht auf den
Vordenker Bezug genommen wird. Momentan lässt sich sagen: Paulings Ruhm ist ungebrochen, ja im Steigen
begriffen, und posthum wird ihm manche Ehrenrettung vor allem im Hinblick auf die Früchte seiner
späteren (Gesundheits-) Forschungen zuteil. Zwar hat der große Chemiker also die ersehnten 100 nicht
erreicht, Unsterblichkeit auf vielen Feldern des Denkens ist ihm jedoch sicher, und zwar sowohl was
unsere Einsicht in die Natur und das, was sie im Innersten zusammenhält, angeht wie auch hinsichtlich
der "molekularen" Grundlagen für eine "wehrhafte" Gesund heit.
Lesetip: Eine allgemeinverständliche Einführung in die Vielfalt der medizinisch wirkenden Spurenstoffe
und ihre Möglichkeiten für die eigeninitiative Gesundheitsvorsorge bietet das Taschenbuch von Linus
Pauling: Das Vitamin-Programm. Goldmann Verlag, München.
Norbert Messing |
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