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Medizinische Infos
Orthomolekulare Medizin - Nährstoffe
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Wann ist ein Nährstoff wirklich gesund?
Neue Studien zur Wirkung von Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen
Von DORLE GRÜNWALD-FUNK
Karlsruhe - Man kann sie sehen, riechen und schmecken. Sie tragen klangvolle Namen wie Quercetin,
Allicin, Xanthophyl oder Lykopin. Sie färben den Wein rot und Karotten oder Aprikosen gelborange.
Hausfrauen und Hausmännern treiben sie beim Zwiebelschneiden Tränen in die Augen. Die Rede ist von
"sekundären Pflanzenstoffen", einer riesigen Gruppe von Substanzen: 30 000 sind bisher bekannt,
5000 bis 10 000 von ihnen kommen in der Nahrung vor.
Seit vermutet wird, daß sie vor Krebserkrankungen schützen, die Immunabwehr stärken, entzündungs-
und gerinnungshemmend wirken, schädliche Mikroorganismen unterdrücken und Einfluß auf Blutdruck,
Cholesterin- und Blutzuckerspiegel haben, werden sie intensiv erforscht. Doch angesichts der
unüberschaubaren Zahl der in Obst, Gemüse und Getreide enthaltenen bioaktiven Stoffe ist dies
kein leichtes Unterfangen.
Häufig genug hat die Untersuchung dieser Substanzen die Ebene der Grundlagenforschung noch nicht
verlassen. Dies wurde jetzt auf der Arbeitstagung "Sekundäre Pflanzenstoffe" der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Karlsruhe deutlich. Auf diesem Symposium präsentierten Ernährungswissenschaftler verschiedener Institutionen ihre neuesten Forschungsergebnisse über die bioaktiven Stoffe.
Professor Hans K. Biesalski von der Universität Stuttgart-Hohenheim beklagte beispielsweise eine
zu forsche Vorgehensweise: Sobald für eine Substanz im Labor oder im Tierversuch erste gesundheitsfördernde
Wirkungen aufgezeigt würden, isoliere man sie und setze sie in hohen Konzentrationen verschiedenen
Lebensmitteln zu.
Doch seien zu diesem Zeitpunkt noch viele Fragen nicht geklärt: Hat die Substanz tatsächlich dieselbe
Wirkung wie im ursprünglichen Lebensmittel? Sind Nebeneffekte und Reaktionen mit anderen Nährstoffen
auszuschließen? Ist die Substanz in hohen Mengen eventuell sogar giftig?
Grundsätzliche Probleme, die bei der Herstellung von "Functional Food" durch Lebensmittelanreicherung
entstehen können, unterstreichen die Forschungsergebnisse von Professor Regina Brigelius-Flohé vom
Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke. Als Functional Food werden
Lebensmittel bezeichnet, denen Nährstoffe oder andere bioaktive Substanzen zugesetzt werden, um den
gesundheitlichen Wert zu erhöhen. Brigelius-Flohé untersuchte Vitamin E, das als Krebsschutzfaktor wirkt.
Um zu sehen, ob natürliches Vitamin E und dessen synthetische Form vom menschlichen Stoffwechsel
gleich behandelt werden, machte sie eine Studie mit gesunden Freiwilligen. Die Probanden erhielten
jeweils natürliches oder synthetisches Vitamin E. Dabei zeigte sich, daß die natürliche Form
wesentlich besser vom Körper aufgenommen wird.
Außerdem fand Brigelius-Flohé heraus, daß vermutlich nur natürliches Vitamin E in der Leber
verstoffwechselt werden kann. Synthetisches Vitamin E wird lediglich über Stoffwechselnebenwege
aufgenommen. Folgerichtig müßten synthetische Vitamine in wesentlich höheren Mengen aufgenommen
werden als bisher vermutet, um erwünschten Effekte zu erzielen, so die Forscherin.
Für die DGE ist dies wieder ein Beleg dafür, daß man zum Schutz der eigenen Gesundheit "am besten
auf Obst, Gemüse und Getreide zurückgreift". Denn dort würden sich die verschiedenen bioaktiven
Substanzen optimal ergänzen. "Fünfmal täglich Obst und Gemüse", lautet daher die gemeinsame
Empfehlung der DGE, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Landesärztekammer Hessen.
Die Organisationen lehnen sich damit an positive Erfahrungen amerikanischer Gesundheitsbehörden
an. Die schlagen konkret vor: Optimal wären täglich drei Portionen Gemüse (zur Hälfte roh)
sowie zwei Portionen - möglichst frischen - Obsts. |
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