 |

Medizinische Infos
Orthomolekulare Medizin - Mikro-Nährstoffe
|
 |
Mikro-Nährstoffe
Text: Mag. Annemarie Krammer
Die orthomolekulare Medizin beruht auf der Erkenntnis, dass an der Entstehung chronisch degenerativer Krankheiten ein Mangel oder ein Ungleichgewicht von Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren und Fettsäuren besteht. Nur die wenigsten dieser Stoffe können gespeichert werden, so dass eine dauernde Zufuhr durch die Nahrung ermöglicht werden muss. Diese Erkenntnis ist nicht neu, hat doch schon im alten Griechenland der Arzt Hippokrates gesagt: "Lass die Nahrung Deine Medizin sein!"
Der Biochemiker und zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling (1901-1994) griff diesen Gedanken auf und begann zu beweisen, dass Mikronährstoffe, wie Vitamine, Spurenelemente, Amino- und essentielle Fettsäuren in gegenseitiger Abhängigkeit (Wechselwirkung) und in der individuell wichtigen Dosierung die Gesunderhaltung des Organismus unterstützen können.
Die orthomolekulare Medizin war geboren Sie beruht auf wissenschaftlichen Methoden wie die Schulmedizin und versucht durch gezielte Information und Beratung in Ernährungsfragen die Entwicklung von chronischen Krankheiten zu verhindern. Dort, wo diese schon aufgetreten sind, durch entsprechende Substitution die Krankheitsursachen zu beseitigen und nicht nur Symptome zu behandeln. Die orthomolekulare Medizin will die Schulmedizin nicht ersetzen, sondern durch gesunde Ernährung und Lebensführung sinnvoll ergänzen.
Die wichtigsten Moleküle müssen vom Arzt individuell unter Berücksichtigung der Medikamente des Patienten ausgewählt werden. Um chronische Erkrankungen mit Mikronährstoffen zu behandeln, sind meist Monate erforderlich. In diesem Sinne ist auch Diabetes mellitus mit orthomolekularer Medizin zu behandeln. Gekoppelt ist diese Erkrankung häufig mit hohem Blutdruck, Übergewicht und zu hohen Blutfettwerten. Bewegungsmangel und Überernährung spielen hier eine große Rolle.
Regelmäßige körperliche Aktivität erhöht die Insulinsensitivität. Eine weitere Verbesserung der Situation des Diabetikers können wir mit gezieltem Einsatz von Mikronährstoffen erreichen.
Der Diabetiker produziert aufgrund seines gestörten Stoffwechsels mehr aggressive Sauerstoffradikale. Diese schädigen wiederum die Zellen. In den Zellen ist aber bereits die Konzentration von Vitamin C und E erniedrigt. Diese beiden Vitamine sollten die Sauerstoffradikale abfangen und unschädlich machen. Da sie aber nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind, unterliegt der Organismus des Diabetikers einer starken oxidativen Belastung. Der Bedarf und Verbrauch an antioxidativ wirkenden Mikronährstoffen wie Vitamin C, E, Selen und Alpha-Liponsäure ist beim Diabetiker deutlich erhöht. Man hat nachgewiesen, dass eine tägliche Gabe von 1-2 g Vitamin C bei Diabetikern, die erythrozytären Sorbitolspiegel um 56,1 % senkte. Vitamin E schützt die Blutfette vor Oxidation. LDL-Werte (schlechtes Cholesterin, das verantwortlich ist für die sogenannte Gefäßverkalkung) konnten damit niedrig gehalten werden. Eine tägliche Gabe von 600 IE Vitamin E senkte den HbA1c-Wert signifikant. Die adjuvante Gabe von Vitamin C und Vitamin E kann dazu beitragen, der Entwicklung der diabetischen Gefäßkomplikationen vorzubeugen und ihre Progression zu verzögern.
Die Stoffwechselstörungen des Diabetikers sind mit einem erhöhten Verbrauch an B-Vitaminen verbunden.Zusätzlich verliert der Diabetiker bei schlechter Einstellung vermehrt B-Vitamine über den Urin. Diabetiker weisen häufig durch ein Zinkdefizit auch eine Unterversorgung mit Folsäure auf. Dieser Folsäuremangel ist ein Hauptrisiko für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Substitution von Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 führt zur Senkung des Homocysteinspiegels und damit zur Senkung des cardialen Risikos. Das Vitamin B1 beugt peripheren Neuropathien vor. Es verbessert den Energiestoffwechsel zwischen den Nervenzellen. Vitamin B6 senkt erhöhte HbA1c-Werte. Nicotinamid wirkt dem Entstehen bzw. Fortschreiten eines Diabetes mellitus Typ 1 entgegen. Weiters wird dadurch die Sensitivität der Zellen für Insulin gesteigert sowie die Glucoseverwertung verbessert.
Alpha-Liponsäure
Alpha-Liponsäure steigert die Glucoseverwertung. Bei diabetischer Neuropathie führt die Alpha-Liponsäure zu einer signifikanten Verbesserung neuropathischer Symptome wie Taubheit, Schmerzen oder Parästhesien.
Zink
Diabetiker scheiden im Vergleich zu Gesunden zwei- bis dreimal soviel Zink über den Urin aus. Gleichzeitig ist die Zinkaufnahme gestört. Bei Zinkmangel wird weniger Insulin gebildet. Der Zinkmangel ist meistens zusammen mit dem Folsäuremangel für eine verzögerte Wundheilung verantwortlich und führt zu Unterschenkelgeschwüren und zum diabetischen Fuß. Eine ausreichende Zinkzufuhr ist bereits vor Ausbruch einer diabetischen Erkrankung bedeutend.
Chrommangel
ist verantwortlich für erhöhte Blutfettspiegel und verminderte Glucosetoleranz. Chrom verbessert beim Diabetiker die Glucoseaufnahme in den Zellen, senkt den nüchternen Blutzuckerspiegel, senkt das Gesamtcholesterin und erhöht das HDL.
Magnesium
Diabetiker weisen einen Magnesiummangel auf, da ihre Zellen das Magnesium nicht ausreichend aufnehmen können. Eine ausreichende Magnesiumzufuhr senkt den Insulinbedarf.
Bioflavonide und Anthocyane
sind Farbstoffe, die in Obst und Gemüse vorkommen. Sie dichten die Gefäße ab, die beim Diabetiker durchlässig sind und sind freie Radikalfänger.
Weitere Spurenelemente, die für den Diabetiker Bedeutung haben sind:
Kupfer: für eine ausreichende Insulinfreisetzung
Selen: steigert die Insulinreserve
Vanadium: wirksam gegen periphere Insulinresistenz
Ohne eine ausgewogene Zufuhr dieser Mikronährstoffe ist ein optimaler Kohlenhydratstoffwechsel nicht möglich. In vielen Fällen sollte auch höher dosiert werden, um eine optimale Wirkung zu erreichen.
Mit Hilfe der orthomolekularen Medizin, vollwertiger Ernährung und moderater Bewegungstherapie kann in den meisten Fällen die Insulinfreisetzung verbessert, die Sensitivität der Zellen gegenüber Insulin erhöht, sowie die Insulinresistenz vermindert werden. Die gefürchteten Spätfolgen werden somit vermieden. Ergänzen sie ihre Diabetesmedikation unter Aufsicht ihres Arztes mit den hier angeführten Mikronährstoffen und Vitaminen, um ihr Allgemeinbefinden zu verbessern, ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren und Spätfolgen vorzubeugen. Neue Erkenntnisse bringen neue Wege zur Verbesserung ihrer Gesundheit!
|
|