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Medizinische Infos
Diabetes und Zähne
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Einige Ursachen der besonderen Anfälligkeit der Diabetiker
in Teilbereichen der Zahn- und Mundgesundheit sind verständlich
zu erklären. Bei einigen Problemen bezüglich der Erkrankungen ist
man bisher noch etwas "hilflos" und man kann die Zusammenhänge
weder wissenschaftlich noch aus praktischen Erkenntnissen heraus erklären.
Zu der Begriffsbestimmung und dem ursächlichen Zusammenhang zwischen
Diabetes und Parodontalerkrankungen müssen die verschiedenen klinischen
Erscheinungsformen der Erkrankung beschrieben werden.
Als Parodontium wird in der Zahnheilkunde der Zahnhalteapparat mit dem
Alveolarknochen (Zahnfach), dem Wurzelzement, der Wurzelhaut und dem
Zahnfleisch (Gingiva) als funktionelle Einheit bezeichnet. Krankhafte
Veränderungen des Zahnhalteapparates führen zu den verschiedenen
Krankheitsbildern der Parodontalerkrankungen.
Mikrobieller (Plaque) reizt das Zahnfleisch, die Zahnfleischpapillen
entzünden sich. Die Zahnfleischtaschen entwickeln sich durch weiteres
Vordringen der Entzündung und dieVerbindung zwischen Zahnfleisch und Zahn und der gesamte Zahnhalteapparat
werden geschädigt.
1. Gingivitis
Durch akute oder chronische Entzündung des Zahnfleisches (Gingiva) kommt es
zu Rötung, Schwellung und Blutungsneigung des Zahnfleischsaumes. Zunächst
bleibt die Entzündung auf das Zahnfleisch beschränkt, kann aber bereits zu
ulcerösen (geschwürig zerfallenen) Zerstörungen der Zahnfleischpapillen führen.
Bei längerem Bestehen einer akuten oder chronischen Ginggivitis kann diese übergehen in die
2. Marginale Parodontitis
Diese Erscheinungsform der Parodontalerkrankung ist gekennzeichnet durch
entzündliche Erkrankungen des Zahnfleisches, durch fortschreitenden Verlust
von Stützgewebe und beginnenden Abbau des Alveolarknochens (Zahnfach).
Bei der zahnärztlichen Untersuchung werden jetzt neben den Symptomen der
Gingivitis Zahnfleischtaschen und röntgenologisch erkennbarer, beginnender Knochenabbau festgestellt.
Bei Fortschreiten der marginalen Parodontitis führen die entzündlichen
Veränderungen dann zur
3. Parodontitis marginales profunda
Hierbei sind alle Anteile des Zahnhalteapparats (Parodontium) mit
Knochenabbau bis zu 1/3 der Wurzellänge, Zahnwanderung, erhöhte
Zahnbeweglichkeit und Taschenabszessen beteiligt.
Ursachen für die Parodontalerkrankung bei Nichtdiabetikern und Diabetikern
Mangelhafte Mundhygiene führt entlang des Zahnfleischsaumes zu Ansammlungen von
Bakterienbelägen, den sogenannten Plaque, zunächst als weiche Zahnbeläge erkennbar,
lösen eine Entzündung des Zahnfleischsaumes aus.
Die Entzündung des Zahnfleisches manifestiert sich durch Schwellungen, Rötungen und
erhöhte Blutungsneigung auf mechanische Reize. Die vermehrte Ansammlung der mikrobiellen
Zahnbeläge begünstigt die Ansammlung von verschiedenen Bakterienarten, die die
Entzündungssymptome verstärken. Die Blutungsneigung des Zahnfleisches veranlaßt
die Patienten, die Mundhygiene und Zahnpflege noch mehr einzuschränken, der Teufelskreis des
Fortschreitens der Erkrankung beginnt !!!
Die zunächst noch weichen Zahnbeläge mineralisieren sich und es entwickeln sich harte
Zahnbeläge (Zahnstein) mit einer unregelmäßigen Oberflächenstruktur. Auf dieser rauhen
Oberfläche finden Bakterienarten wie Spirochäten, Fusobakterien u.a. einen vorzüglichen
Nährboden und lösen die bakterielle Infektion in der Tiefe der Zahnfleischtaschen aus.
Als Folge dieser infektiösen Schädigung der Zahnfleischtaschen tritt eine Zerstörung des
Zahnhalteapparates mit tiefer Taschenbildung, Knochenabbau und erhöhter Zahnbeweglichkeit ein.
Weitere Zahnsteinanlagerungen bedingt eine fortschreitende Vertiefung der Zahnfleischtasche,
verbunden mit weiterem horizontalem Knochenabbau. Der Zahn wird verstärkt beweglich, der
Zahnhalteapparat wird verstärkt destruiert und am Ende des entzündlichen Prozesses ist der Verlust des Zahnes vorgezeichnet.
Die unzureichende Mundhygiene mit der Ansammlung von Plaque ist für die Nichtdiabetiker die
Hauptursache für die Entstehung von Parodontalerkrankungen.
Sicher gilt zu einem großen Teil diese Entstehungsursache der Schädigung des
Zahnhalteapparates auch für Diabetiker.
Begünstigt wird bei einem Diabetiker jedoch die Entstehung von Parodontalerkrankungen
durch seine schlechte Stoffwechsellage.
Wenn wir aus dem diabetischen Krankheitsbild der Mikroangiopathie wissen, daß durch
Strukturänderung der feinsten Blutgefäße infolge Anlagerung von Zucker an die
Eiweißverbindungen der Gewebe, die Funktionstüchtigkeit der Kapillaren beeinträchtigt ist und die
Fließfähigkeit des Blutes herabgesetzt ist, wird uns auch verständlich, daß die
Sauerstoffversorgung des Zahnfleisches gestört ist.
Die Schädigung des Blutgefäßsystems der feinsten Blutgefäße durch den Diabetes verstärkt die durch die
Plaque entstandene Parodontalerkrankung in erheblichem Maße. Bei einer schnell verlaufenden
Parodontalerkrankung bleibt die Frage offen, ob durch die Stoffwechselerkrankung Diabetes primär die
krankhaften Veränderungen an Zahnfleisch und Zahnhalteapparat entstehen und wegen unzureichender
Mundhygiene nur sekundär die plaquebedingten entzündlichen Veränderungen die Parodontalerkrankung verstärken.
In zahnärztlichen Praxen wird bei Diabetikern bei gleichen Mundhygieneverhältnissen
im Vergleich zu Nichtdiabetikern die vierfache Anzahl von Zahnfleischentzündungen und
Parodontalerkrankungen festgestellt. Diese Untersuchungsergebnisse aus der zahnärztlichen
Praxis spricht doch wohl dafür, daß die diabetische Stoffwechselerkrankung die Schädigung
des Zahnhalteapparats begünstigt.
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| Abb.1) |
Abb.2) |
Abb.3) |
Abb.4) |
Abb.1): Phasen der Zerstörung eines Zahnes durch Karies. Zuerst wird der Zahnschmelz
angegriffen, dann beginnt die Fäule des Zahnes.
Abb.2): Als Folge einer unbehandelten Karies haben Bakterien das Zahnmark infiziert.
Abb.3): Wurzelhautentzündung: ebenfalls Folge einer unbehandelten Karies.
Abb.4): Aus der Wurzelhautentzündung hat sich ein Granulom entwickelt -
ein umschriebener Eiterherd an der Wurzelspitze. Daraus kann sich leicht eine Fistel entwickeln.
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Behandlungsmaßnahmen bei Zahnfleischentzündungen und Parodontalerkrankung
Die Aufklärung und Motivation zu einer erfolgreichen Mundhygiene steht immer am
Beginn einer therapeutischen Maßnahme bei der zahnärztlichen Behandlung von
Zahnfleischentzündungen und Parodontalerkrankungen bei Diabetikern.
Nach erfolgter Aufklärung beginnen die zahnärztlichen Behandlungsschritte zunächst
mit der Entfernung der weichen und harten Zahnbeläge (Plaque und Zahnstein).
Die Zahnbeläge treten als weiche oder mineralisierte Beläge entweder an den sichtbaren
Flächen der Zähne auf, diese Beläge werden als supragingiviale Beläge bezeichnet oder
dringen in die Tiefe der Zahnfleischtasche ein als subgingivale Beläge.
Die supragingivalen und subgingivalen harten Zahnbeläge können vom Patienten nicht mehr
durch spezielle Putztechnik entfernt werden, es muß eine professionelle Zahnreinigung
durch den Zahnarzt oder die zahnärztliche Fachhelferin durchgeführt werden.
Die Zahnsteinentfernung erfolgt rasch und schmerzlos beim Zahnarzt.
Werden die Belege nicht regelmäßig entfernt, droht eine Parodontitis.
Die Entfernung tiefliegender, subgingivaler Konkremente, eventuelle
Wurzelglättung und Kürretage werden in den fortgeschrittenen Stadien der
Parodontalerkrankung nur durch den behandelnden Zahnarzt ausgeführt.
Bei allen Patienten mit entzündlichen Formen der Parodontalerkrankung, d. h.
Rötung, Schwellung und Blutungsneigung des Zahnfleisches wird nach der professionellen
Zahnreinigung eine Besserung des Krankheitsbildes für die Patienten erkennbar und die
Bereitschaft zur Mitarbeit ist damit weitgehend sichergestellt.
Während der Initialbehandlung (Einleitung der Behandlung) werden die Patienten in eine
effektive Zahn- und Mundpflege eingewiesen.
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