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Medizinische Infos
Diabetes - Diabetes in der Schwangerschaft
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Alle Schwangeren sollten auf Gestationsdiabetes getestet werden
Von Helga Brettschneider
Ein Gestationsdiabetes erhöht für Kind und Mutter das Risiko für einen ungünstigen Ausgang der Schwangerschaft, bis hin zum intrauterinen Fruchttod. Die Fachgesellschaften empfehlen deshalb ein Screening aller Schwangeren im dritten Trimenon. Der Blutzucker der Schwangeren sollte mit Ernährungstherapie und Insulin eng eingestellt werden.
Bis zu fünf Prozent der Frauen entwickeln während ihrer Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes, also eine Glukose-Toleranzstörung, die erstmals während der Gravidität diagnostiziert wird. Als Grenzwerte gelten ein Nüchtern-Blutzucker von 90 mg/dl und im oralen Glukose-Toleranztest (oGTT) mit 75 Gramm nach einer Stunde 180 mg/dl, nach zwei Stunden 155 mg/dl. Werden zwei der drei Werte erreicht oder überschritten, liegt Gestationsdiabetes vor.
Im letzten Trimenon sinkt die Insulin-Empfindlichkeit
Dabei mindern im letzten Trimenon Hormone wie Human Plazenta-Laktogen, Östrogene und Progesteron die Insulinempfindlichkeit. Wenn die mütterliche Eigenproduktion den zunehmenden Insulinbedarf nicht mehr befriedigen kann, steigt der Blutzuckerspiegel.
Bei Hyperglykämie der Schwangeren bekommt auch das Ungeborene zuviel Zucker. Der Fetus versucht, das Problem durch Beta-Zell-Hypertrophie und vermehrte Insulinsekretion zu lösen. Nach der Geburt fehlt dann das mütterliche Zuckerangebot und Hypoglykämien entstehen.
Vorher führt die Situation zu verstärktem Wachstum und Fettanlagerung. Ab einem Nüchtern-Blutzucker über 120 mg/dl verdoppeln sich alle Risiken im Vergleich zu gesunden Frauen, schreibt die Gynäkologin Dr. Ute Schaefer-Graf vom Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin (Der Gynäkologe 6, 2002, 575). Es drohen Makrosomie und Reifungsstörungen von Lunge und Leber mit späterer Hyperbilirubinämie und Atemnotsyndrom. Die Mutter ist erhöht infektanfällig, dadurch kann es zu vorzeitigen Wehen und Frühgeburten kommen. Das Risiko einer Schwangerschafts-induzierten Hypertonie ist erhöht. Fehlbildungen des Kindes haben eine eher untergeordnete Bedeutung, weil Gestationsdiabetes meist erst nach der Organogenese einsetzt.
Mit Risikofaktoren wird nur jede zweite Erkrankung erkannt
Um die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen und die Zuckerwerte in vertretbarem Rahmen zu halten, empfehlen die Fachgesellschaften für Gynäkologie und Diabetes, alle Frauen zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche zu testen: entweder mit dem 50-Gramm-Glukose-Suchtest, dem bei ungünstigem Ergebnis der 75-Gramm-oGTT folgt, oder gleich mit dem 75-Gramm-Test.
Mit einer Orientierung nur an Risikofaktoren bleibt jeder zweite Gestationsdiabetes unerkannt, so Schaefer-Graf. Besonders gefährdete Frauen sollten auch im ersten Trimenon getestet werden. Zu den Risikofaktoren gehören ein früherer Schwangerschaftsdiabetes, ein Body-Mass-Index über 27 kg/m?, mehrere Fehlgeburten und Eltern oder Geschwister mit Diabetes.
Die Frauen müssen zunächst ihre Ernährung umstellen und verteilen die Tageskalorien auf sechs Mahlzeiten und im Verhältnis 5 zu 3 zu 2 auf Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Bei zwei Dritteln genügen Ernährungstherapie und Bewegung, um die Zielwerte einzuhalten. Diese liegen unter 90 mg/dl nüchtern und 120 mg/dl zwei Stunden postprandial. Blutzucker-Selbstkontrolle ist obligatorisch. Werden die Zielwerte zwei Wochen lang nicht erreicht, dann ist Insulin indiziert; bei Makrosomie eventuell auch schon bei grenzwertiger Hyperglykämie.
Um diese rechtzeitig zu erfassen, empfiehlt sie außer regelmäßigen Vorsorgeterminen und Infektionsdiagnostik mindestens monatliche Wachstumskontrollen per Ultraschall etwa ab der 24. Woche. Kardiotokographien macht sie von der 32. Woche an wöchentlich, zur Geburt hin häufiger.
Meist verschwindet der Diabetes nach der Schwangerschaft wieder, nur bei zehn bis 15 Prozent der Frauen besteht er fort. Es bleibt aber ein erhöhtes Risiko: Wenn die Mutter nicht ausreichend behandelt wurde, sind die Kinder später anfällig für Übergewicht und gestörte Glukose-Toleranz. Für die Mutter beträgt die Gefahr einer Wiederholung in der nächsten Schwangerschaft 50 Prozent. Fast ebenso hoch ist ihr Risiko, innerhalb von zehn Jahren einen manifesten Typ-2-Diabetes zu entwickeln - besonders, wenn der Diabetes vor der 24. Schwangerschaftswoche auftrat und bei ihr Übergewicht besteht. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft empfiehlt deshalb, nach Gestationsdiabetes mindestens alle zwei Jahre eine Untersuchung mit einem oralen Glukose-Toleranztest.
FAZIT
Gestationsdiabetes ist eine Glukose-Toleranzstörung erstmals während der Gravidität. Dem Kind drohen Makrosomie, Reifungsstörungen von Lunge und Leber, die Mutter hat das Risiko für einen Typ-2-Diabetes. Empfohlen wird ein Screening zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche, bei Risikofaktoren wie früherem Gestationsdiabetes oder diabetischen Eltern oder Geschwistern schon im ersten Trimenon. Anzustreben sind Blutzuckerwerte unter 90 mg/dl nüchtern und 120 mg/dl zwei Stunden postprandial. (hbr) |
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