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Pharmazeutische Betreuung |
Pharmazeutische Betreuung
Die Pharmazeutische Betreuung basiert auf der intensiven Zusammenarbeit zwischen Arzt, Apotheker und Patient. Ziel ist es, arzneimittel- und gesundheitsbezogene Probleme zu erkennen und gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln, um die Arzneimitteltherapie zu optimieren und die Lebensqualität des Patienten zu erhöhen.
In den letzten Jahren konnte vor allem im angelsächsischen Raum der Nutzen der Pharmazeutischen Betreuung überzeugend belegt werden. Aber auch in Deutschland wurden in der Zwischenzeit vielfältige Projekte zur Implementierung durchgeführt. Publizierte Ergebnisse liegen bisher für die Studien/Projekte:
- Pharmazeutische Betreuung von Asthma-Patienten
- Entdeckung arzneimittelbezogener Probleme
- Erkennung von Risikopatienten (metabolisches Syndrom)
- und zur Beratung bei der Selbstmedikation in Deutschland vor.
Nachfolgend werden exemplarisch nationale und internationale Ergebnisse im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung aufgeführt:
A) National:
1. Pharmazeutische Betreuung von Asthma Patienten:
Die Umsetzbarkeit und der Nutzen der Pharmazeutische Betreuung von Asthma Patienten wurde in Hamburg durch die ABDA in Zusammenarbeit mit der Apothekerkammer Hamburg in einer 12-monatigen Studie untersucht. Es handelte sich dabei um eine kontrollierte Interventionsstudie, bei der in der Studiengruppe alle 6-8 Wochen eine Betreuungsgespräch zwischen Apotheker und Patient stattfand. Insgesamt waren 161 Studienpatienten in 26 Studienapotheken, 81 Kontrollpatienten in 22 Kontrollapotheken und etwa 120 Ärzte an der Studie beteiligt. Durch die Pharmazeutische Betreuung ließen sich folgende signifikante Verbesserungen erzielen:
- Die Inhalationstechnik der Studienpatienten verbesserte sich.
- Innerhalb der Studiengruppe verbesserte sich der Tiffeneau-Wert (Lungenfunktions-parameter).
- Die asthmaspezifische Lebensqualität nahm in der Studiengruppe signifikant zu.
- Das Wissen der Studienpatienten, ihre Selbstwirksamkeit (wahrgenommene Fähigkeit des Patienten, seine Therapie aktiv zu unterstützen und seine Erkrankung zu bewältigen) und ihre Grundeinstellungen zur Compliance wurden verbessert.
- Die Zufriedenheit mit dieser Dienstleistung wurde von den Patienten sehr hoch eingeschätzt. (N.N., Asthmastudie belegt Effizienz der Pharmazeutischen Betreuung, Pharmazeutische Zeitung 144 (37), 2877-2881 (1999)
2. Entdeckung und Lösung arzneimittelbezogener Probleme:
Über einen Erfassungszeitraum von 14 Tagen konnten in 358 bayerischen Apotheken 2877 arzneimittelbezogene Probleme identifiziert werden. Die Auswertung (zusammen mit den Daten einer Pilotstudie n=130) ergab, daß die ermittelten Probleme ganz (86 %) oder teilweise (11,1 %) einer Lösung zugeleitet werden konnten. (Schaefer M, Kresser J, Pharmazeutische Betreuung vermeidet Schäden, Pharmazeutische Zeitung 134 (51/52), (1998)
3. Erkennung von Risikopatienten und Zuführung zur ärztlichen Therapie:
Im Rahmen eines Screening-Programms zur Entdeckung von Patienten mit metabolischem Syndrom wurden 195 Patienten aufgrund mehrerer festgestellter Risikofaktoren an den Arzt verwiesen. In 20 Fällen erfolgte die Rückmeldung der Diagnose an die Apotheke. Von diesen 20 Fällen wurden 19 als Diabetiker vom Arzt diagnostiziert. (NN, Patienten mit metabolischem Syndrom, Pharmazeutische Zeitung, Supplement Pharmazeutische Betreuung 1999: 10-12)
4. Beratung in der Selbstmedikation bei dyspeptischen Beschwerden:
Durch die Beratung des Apothekers in der Selbstmedikation bei dyspeptischen Beschwerden konnte die Lebensqualität der Patienten in der Studiengruppe signifikant gegenüber der Kontrollgruppe verbessert werden. 79 % der Patienten in der Studiengruppe bewerteten die Beratung durch den Apotheker als "sehr gut" oder "gut". (Krishnan HS, Schaefer M, Pharmazeutische Beratung von Patienten mit dyspeptischen Beschwerden, Pharmazeutische Zeitung 144 (36), (1999)
B) Weitere nationale Projekt, die derzeit umgesetzt oder ausgewertet werden
1. Pharmazeutische Betreuung älterer, multimorbider Patienten
Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Arbeitsgruppe Pharmakoepidemiologie/Sozialpharmazie
Ziele: Verbesserung der Lebensqualität des Patienten, Optimierung der Arzneimitteltherapie, Steigerung der Berufszufriedenheit des Apothekers, Verminderung der arzneimittelbezogenen Probleme, Verbesserung der Zusammenarbeit mit den Ärzten.
2. Pharmazeutische Betreuung von Hypertonikern:
Apothekerkammern Brandenburg und Thüringen, Arbeitsgruppe Pharmakoepidemiologie/Sozialpharmazie
Ziele: Erkennung von Hypertonikern, gezielte Beratung und Compliance- Förderung, Optimierung der Arzneimitteltherapie, Vermeidung von Therapieabbrüchen
3. Pharmazeutische Betreuung von Diabetes Patienten:
Apothekerkammer Baden-Württemberg, Arbeitsgruppe Pharmakoepidemiologie/Sozialpharmazie
Ziele: Untersuchung der Realisierbarkeit von Pharmazeutischer Betreuung von Diabetiker in der öffentlichen Apotheke, Entwicklung eines Beratungs- und Betreuungsstandards, Verbesserung der Lebensqualität und Zufriedenheit der Patienten, Verbesserung der Kooperation zwischen Arzt und Apotheker, Verbesserung der Stoffwechseleinstellung
4. Elektronisches Datenmanagement in der Pharmazeutischen Betreuung:
Apothekerkammer Nordrhein, Arbeitsgruppe Pharmakoepidemiologie/Sozialpharmazie
Ziele: Entwicklung eines Softwareprogramms zur Unterstützung der Pharmazeutischen Betreuung, Erprobung unter Alltagsbedingungen in der öffentlichen Apotheke
5.Pharmazeutische Betreuung von Migräne- und Kopfschmerzpatienten [PharMiKo]:
Pharmazeutische Betreuung von Migräne- und Kopfschmerzpatienten [PharMiKo]:
- Apothekerkammer Bremen
- Apothekerkammer Niedersachsen
- Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA)
- Firma GlaxoWellcome
- Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS)
- Abteilung für Sozialmedizin und
- Arzneimittelepidemiologie
Ziele: Quantitative Bewertung der Effektivität der pharmazeutischen Betreuung von Migräne- und Kopfschmerzpatienten, Ermittlung des erforderlichen Aufwandes in den Apotheken, Entwicklung eines Handlungskonzeptes für die Betreuung von Migräne- und Kopfschmerzpatienten (einschl. Schulungsprogramm, Beratungsmanual etc.), Umsetzung des Konzeptes in die Apothekenpraxis, Förderung der regionalen Kooperationsstrukturen, Erhebung von Daten zur Häufigkeit der wichtigsten Kopfschmerz- und Therapieformen als Grundlage für die Einleitung weiterer zielgerichteter Maßnahmen.
(Hoffmann W, Janhsen K (2000): Ein Bremer Beitrag zur Pharmazeutischen Betreuung, Pharmazeutische Zeitung 145 (35), S. 54)
Weitere Informationen im Internet finden Sie unter www.bips.uni-bremen.de/pharmiko/
C) International
1. Arzneimittelbezogene Probleme und Kosteneinsparung:
Johnson und Bootman beziffern die jährlichen Kosten, die durch arzneimittelbezogene Probleme in den USA verursacht werden auf ca. 76,6 Milliarden US $. Sie schätzen, daß durch die Implementierung der Pharmazeutischen Betreuung eine Einsparung von rund 45,6 Milliarden US $ erzielt werden könnte. (Johnson JA, Bootman JL. Drug-related morbidity and mortality and the economic impact of pharmaceutical care. American Journal of Health System Pharmacy 54, 554-558 (1997)
2. Betreuung von Asthma-Patienten:
Durch die Betreuung von Asthma Patienten durch die öffentliche Apotheke ließen sich Hospitalisierungen um 78 % und Besuche der Notaufnahme um 77 % senken. (Rupp MT, McCallian DJ, Sheth KK, Developing and marketing a community pharmacy-based asthma management program, Journal of the American Pharmaceutical Association 1997; NS37 (6): 694-699.)
3. Betreuung von Hypertonikern:
Durch die Betreuung in der Apotheke konnte der systolische Blutdruck in der Studiengruppe signifikant von 151 mm Hg auf 140 mm Hg gesenkt werden. Die Qualität der Therapie in der Studiengruppe konnte signifikant verbessert werden. Ebenso ließ sich eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität in der Studiengruppe belegen. (Carter BL et al., Evaluation of hypertensive patients after care provided by community pharmacists in a rural setting. Pharmacotherapy 17, 1274-1285 (1997).)
4. Betreuung von Diabetikern:
Im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung konnte sowohl der Blutzuckerspiegel (nüchtern) als auch der Anteil des glykolysierten Hämoglobins signifikant in der Studiengruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe gesenkt werden. (Jaber LA et al., Evaluation of a pahrmaceutical care model on diabetes management. Annals of Pharmacotherapy 30, 238-243 (1996).)
5. Betreuung verschiedener Patientengruppen:
Durch die Betreuung von Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes, Asthma und/oder Hypercholesterinämie konnten die Gesamtkosten pro Patient pro Monat um US $ 144 (konservative Schätzung) bzw. US $ 294 (adjustiert nach Alter, Komorbidität und und Schwere der Erkrankung) gesenkt werden. (Munroe et al., Economic evaluation of pharmacist involvement in disease management in a community pharmacy setting. Clinical Therapeutics 19 (1), 113-123 (1997)
6. Förderung der Compliance bei Patienten mit Hyperlipidämie:
Vorläufige Ergebnisse einer Studie zur Complianceförderung bei Hyperlipidämie zeigen, daß nach 14 Monaten 84 % der Patienten noch eine lipidsenkende Therapie erhalten und 84,3 % eine ausreichende Compliance aufweisen. Damit konnten bei 44,3 % der Patienten die Zielwerte, die im National Cholesterol Education Program definiert werden, erreicht werden. (Bluml et al., Interim report from project IMPACT: Hyperlipidemia. Journal of the American Pharmaceutical Association 1998; 38: 529-534.)
Fazit
- Pharmazeutische Betreuung ist in der Praxis machbar.
- Pharmazeutische Betreuung wird von den Patienten begrüßt.
- Pharmazeutische Betreuung führt zur Optimierung der Therapieergebnisse und Verbesserung der Lebensqualität der Patienten.
- Pharmazeutische Betreuung ist geeignet, Krankheitskosten zu senken, d.h.: Sparen mit dem Arzneimittel, nicht am Arzneimittel.
Links zum Thema:
1. Quellen in MEDLINE nachschlagen
2. Pharmazeutische Zeitung
3. PharMiKo - Pharmazeutische Betreuung von Migräne- und Kopfschmerzpatienten
Eine bevölkerungsbezogene Evaluation der Pharmazeutischen Intervention
Dokument-ID: 60
Zitierhinweis
Bitte zitieren Sie diesen Artikel wie folgt:
ABDA, Projekte und Fakten zur Pharmazeutischen Betreuung,
www.abda.de/ABDA/artikel.html?ID=60,
(12.12.2001)
Stand: 12.12.2001 |
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