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Aktuelles - Gefahr aus der Luft
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Sportmedizin: Warum bei Strapazen Gefahr aus der Luft droht
Unter Belastung steigt die Sauerstoffaufnahme des Körpers um das 10 bis 15fache, die der beanspruchten Muskeln sogar um den Faktor 100. Als Nebenprodukt der auf Hochtouren laufenden Energiegewinnung in den winzigen Zell-Kraftwerken, den Mitochondrien, fallen freie Radikale an.
Diese Moleküle gelten als biochemische Bösewichte. Wie Rost am Eisen nagt, fressen sie unablässig an unserem Gewebe. Der Grund: In ihrer Hülle kreist ein freies, ungepaartes Elektron, das nach einem Teilchen gleicher Art sucht. Um sich diesen Partner zu beschaffen, fallen die aggressiven Partikel über Membranen, Proteine und andere Zellbausteine her und greifen nicht zuletzt die Erbsubstanz DNA an. Der Organismus gerät unter "oxidativen Stress".
Physiologen bringen deshalb Krankheiten wie Herzinfarkt, Parkinson und Alzheimer, gar das Altern schlechthin mit den angriffswütigen Molekülen in Verbindung. Kommt Sport somit einer Selbstzerstörung gleich? Keineswegs. Denn regelmäßiges moderates Ausdauertraining und leichte Kraftübungen verbessern die Radikalabwehr, lassen etwa das zelleigene Schutzenzym Superoxid-Dismutase effizienter arbeiten. Beim Gegenrechnen von vermehrter Radikalproduktion und Stärkung der Schutzbataillone "ist die Bilanz positiv", sagt der Sportmediziner Andreas Nieß von der Universität Tübingen. Selbst Hochleistungssport erhöhe vermutlich nicht das Schadensrisiko. Wer sich fit halten wolle, möge allerdings "vorsichtig anfangen und sich nicht überbelasten". Auf diese Weise lasse sich eine übermäßige Radikalfreisetzung verhindern.
Mehrere Studien von Nieß weisen darauf hin, dass die aggressiven Teilchen nach intensiver Belastung, etwa einem Halbmarathon oder einem Triathlon, die Struktur des Erbmoleküls DNA in weißen Blutkörperchen verändern.
Ob solche DNA-Schäden auch in anderen Körperzellen auftreten, ist noch ungeklärt. Epidemiologische Studien zeigten, dass Sport das Risiko einiger Tumorarten sogar senkt. "Es kann also von einem überwiegend positiven Trainingseffekt ausgegangen werden", resümiert Nieß.
Untersuchungen mit Ratten deuten in der Tat darauf hin, dass durch Radikale geschädigte Muskelzellen sich nach dem Training selbst zerstören. Der Sportmediziner Nieß spricht von einem "reinigenden Effekt" zur Regeneration des Muskels. Und der könne durch hoch dosierte Zufuhr einzelner Radikalfänger wie Vitamin E oder C sogar behindert werden, da diese gemeinsam in bestimmten optimalen Konzentrationen agieren müssen, um die gewünschte Wirkung zu entfalten. Vitamintabletten oder -pulver seien deshalb nur im Ausnahmefall empfehlenswert. Nieß Rat: sich ausgewogen mit einer obst- und gemüsereichen Kost ernähren - mit dem Ideal-Mix aller Vitamine.
Klaus Wilhelm
GEO MAGAZIN Nr.8/2001 |
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